Südostanatolien

Mein treuer Begleiter

Moin, moin,

da bin ich wieder, nach meiner schönen, wenn auch kurzen Reise. Eine Woche war ich nun im Osten der Türkei mit dem PKW unterwegs. Ich habe fast 3000 km, um genau zu sein 2587 km, in dieser Zeit gefahren, viele Regionen, Städte und vor allem Menschen gesehen und gesprochen und diesen Teil der Türkei in mein Herz geschlossen. Diese Art des Reisens ist sicher nicht jedermanns Sache, ich mag es aber, ständig den Standort zu wechseln, sich durch die Eindrücke oder auch Beschreibungen in Reiseführern treiben zu lassen und einfach völlig ungezwungen Land und Leute zu erkunden. Und und dazu hat man in der Türkei wirklich alle Möglichkeiten. Und jetzt heißt es die Rückreise aus Südostanatolien anzutreten. Zeit für ein Fazit. Es war ein tolle Reise. Alle haben mir vor der Fahrt abgeraten. Es sei gefährlich, die Lage zu unsicher, es handele sich um ein Kriegsgebiet. Von alle dem habe ich nichts mitbekommen. Einige der besuchten Städte, etwa Antakya oder Gaziantep liegen nicht weit entfernt von der Syrischen Grenze. Das Land ist uns derzeit aus den Medien bekannt und gerade in letzter Zeit haben Berichte der Medien zu Afrin für Aufmerksamkeit und Unruhe geführt. Meine türkischen oder türkischstämmigen Freunde und Bekannten priesen meinen Mut, waren aber auch gleichzeitig beeindruckt, dass ich in ihr Heimatland reise und dazu noch in diese entfernte Region. Aber von den negativen Seiten des Lebens war eben nicht für einen Touristen zu spüren. Und ich rede hier ausdrücklich nur von den Eindrücken eines Touristen und nicht von politischen Umständen. Mir sagte ein freundlicher Händler in einem Basar in Antakya, der in Deutschland gelebt hatte, dessen Verwandten hier noch immer leben und der sehr gut Deutsch sprach. Es sei doch überhaupt kein Problem mit den Syrern. ich solle einfach mal rüber schauen zu dem Stand gegenüber. das sei ein hart arbeitender Syrier und der Junge daneben komme ebenfalls dorther. Die Syrer würden integriert, man wolle sie nicht in Ghettos sperren. Sie sollten am allgemeinen Leben teilhaben. Und eine Hotelmitarbeiterin in Malatya sagte, es sei doch nur Politik. Kein Grund, das Land nicht zu besuchen.</p> <p>Ich hatte bereits die vielen Kontakte mit den Menschen erwähnt. Und es waren wirklich viele. Ich möchte das wirklich betonen, weil mir das in dieser Form bei meinen vielen reisen bislang nicht passiert ist. Nicht eine einzige Person war unfreundlich zu mir oder gab mir das Gefühl nicht gut behandelt zu werden. Im Gegenteil. Es ist wirklich unglaublich, wie freundlich die Menschen waren. Ausnahmslos. Zwar schauen sie zunächst meist ernst oder beachten einen nicht. was ganz angenehm ist. In Südostasien geht es manchmal doch schon an den Nerv, wenn man ständig ein "Hello Mister" nachgerufen bekommt. das gibt es hier nicht. Sobald man die Leute aber anspricht, gibt es eine sehr nette und freundliche Kommunikation. Natürlich mit den Einschränkungen der Sprachbarrieren, was aber meistens nicht wirklich gestört hat. Im Gegenteil. Viele haben sich nicht abhalten lassen und fröhlich auf türkisch gesprochen und es war dann der Reiz, Worte zu erkennen und die Informationen zu verarbeiten. Kam dann die Sprache noch auf meine Nationalität, waren alle Dämme gebrochen und die Unterhaltung noch einmal freundlicher. Die Türken in der Osttürkei haben offensichtlich eine sehr hohe Meinung von den Deutschen. Die sollten wir uns bewahren. Was mich auch immer verblüfft hat, sind die Kenntnisse der deutschen Bundesliga. Zwar waren alle Bayern München Fans, aber jeder kannte auch den Verein meines Wohnortes. Immerhin etwas. das ganze ist aber auch nicht zu verwunderlich. Leben oder lebten doch Millionen von Türken in Deutschland. Und Fußball ist eben ein Volkssport. Ich hatte es ja bereits in einigen Berichten geschrieben. Auch die Hilfsbereitschaft sucht ihresgleichen. Es ist überhaupt keine Frage, dass sich Leute kümmern und versuchen, zu helfen. Aber ich habe mich ja durch die Mitnahme eines gestrandeten Automobilisten hoffentlich wenigstens etwas revanchiert. Ach so. das hätte ich fast vergessen. Ihr möchtet sicher wissen, wie es mit dem Mietfahrzeug und der Rückreise gelaufen ist. Ich hatte ja schon einige Bedenken, ob der Leistungsfähigkeit meines Autovermieters. Aber es kam alles anders und zu meiner vollsten Zufriedenheit. Aufgestanden bin ich um 02:30 Uhr in meinem Hotel in der Nähe des Flughafens. Das waren gerade mal dreieinhalb Stunden Schlaf, aber es ging. Da bekam ich schon eine SMS und eine Sprachnachricht, dass der junge Mann, der mir den Wagen übergeben hatte, schon am Flughafen warte. Toll. Der Teil der Reise würde also gut über die Bühne gehen. Beim Auschecken machten sich die mangelnden englischen Sprachkenntnisse meiner Vermieter bemerkbar. Ich rief ein "Check out", der Kollege an der Rezeption schaute mich an und dachte wohl, um diese Zeit könne man nur einchecken wollen. Also machte er sich dran, die Formalitäten zu erledigen. Als ich das merkte, habe ich noch einmal englische Wort in den Raum geworfen und mit Unterstützung eines weiteren Kollegen, wurde der Fall geklärt. Da bereits über die Buchungsapp bezahlt war, stand der Fahrt zum Flughafen nichts mehr im Weg. Da habe ich meinem treuen Gefährt noch einmal Höchstleistungen abverlangt und war nach knapp 20 Minuten dort. Es ist ein sehr kleiner Flughafen und daher übersichtlich. Heißt. Eine Zufahrt zum Terminal. Und da kam auch schon der junge Mann auf mich zu, grüßte, schaute nur einmal kurz um den Wagen, murmelte noch etwas von Sorry wegen des Navis und war auch schon fort. Das ging schnell und meine regelwidrige Autobahnfahrt schien auch noch nicht bei dem Vermieter angekommen oder als Wiedergutmachung angesehen worden sein. Egal. Es war Zeit zum Einchecken. Wie gesagt. Es ist ein kleiner Flughafen und um die Zeit gibt es noch nicht viele Flugbewegungen. Ein Flug nach Jeddah und einer nach Istanbul. Immerhin, frühmorgens, was bei uns nicht mehr denkbar wäre. Das Einchecken verlief unspektakulär und es war noch zeit für einen ersten Kaffee am Morgen und ein Simmit. dabei bin ich dann die letzten fünf Lira losgeworden. Den Rest habe ich mit EC-Karte bezahlt. das ist in der Türkei auch sehr gut. Man kann nahezu überall mit EC- oder Kreditkarten bezahlen. Selbst auf örtlichen Basaren sieht man oft den Hinweis "Kredi Karti". Das ist ziemlich praktisch und ein Vorbild für unsere hochtechnisierte Gesellschaft, die an dieser Stelle manchmal aber noch Nachholbedarf hat.</p> <p>Der Flug ging dann pünktlich auf die Minute aus Antakya ab. Die Umsteigezeit war nur etwas eineinhalb Stunden und auf dem Atatürk Flughafen ist es ein recht langer Weg vom Inlands- zum Auslandsflughafen. Also habe ich schon beim Online Checkin einen Platz weit vorne im Flugzeug gebucht, um schnell aus der Maschine zu kommen, die etwa gegen 07:00 Uhr in Istanbul ankam. Weiterflug nach Deutschland um 08:20 Uhr. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit bin ich nach dem Erlöschen der Anschnallzeichen sofort aufgesprungen, habe meinen Rucksack gegriffen und auf des Öffnen der Türen gewartet. Tja. Gewartet, weil sich erst einmal nichts tat. Die Zeit verstrich und ich wurde etwas genervt. Und dann wurden die Türen geöffnet und alle stürmten aus dem Flugzeug, um sofort wieder eine Vollbremsung zu machen. Mist. Das Flugzeug auf einer Außenposition geparkt. Also hieß es, den bereitgestellten Bus zu besteigen und lange zu warten, bis auch der letzte den Weg in das Gefährt gefunden hatte. Die Zeit verronn. Und dann ging es endlich los. Eine schöne Besichtigung es gesamten Flughafens. Ich glaube, wir sind wirklich von einem zum anderen Ende gefahren. Und es ist kein kleiner Flughafen. Angekommen der Weg vom Inlands- zum Auslandsterminal, immer den Beschilderungen nach. Diesmal auf Englisch. Und dann die größte Überraschung. Ich hatte vor der Passkontrolle Massen von Menschen erwartet, wie mir das schon einmal bei einem Transfer auf dem Atatürk Flughafen passeirt ist. Kein Mensch oder fast keine Mensch fanden sich dort. Ich ging durch die Personenführung, man bekommt da fast einen Drehschwindel, weil man immer hin- und herlaufen muß und stand sofort vor dem Abfertigungsschalter. Unglaublich. Aber es war Sonntag früh und die Rückreisewelle würde erst am nächsten Tag rollen. Von da an war es entspannt, obwohl die Maschine fast auf der letzten Parkposition stand. Also schon ein langer Weg, aber keine Eile. Nach der Ankunft am Schalter, dauerte es auch gar nicht lange und das Boarding begann. Die Maschine war nicht besonders voll. Ich denke, es waren bestimmt noch über dreißig Plätze frei. Und das habe ich auch noch nicht erlebt. Ich saß in einer Zweierreihe und hinter mit befanden sich die Sitze an den Notausgängen. Sechs an der zahl und bei allen Reisenden beliebt, da man dort die Beine wirklich ausstrecken kann. Auf die Frage, ob der Platz gewechselt werden könne, hieß es, erst wenn die Maschine gestartet und die Anschnallzeichen erloschen sein. Und das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Von da an war der Flug wirklich angenehm. Bei meiner Körpergröße ist Fliegen nicht wirklich ein Vergnügen, nun konnte ich die Beine aber ausstrecken und den Flug genießen. Hat zwischendurch etwas geschüttelt, aber ich mag das sogar. Türkish Airlines scheint auf Pünktlichkeit Wert zu legen. Das Abdocken der Maschinen erfolgte immer auf die Minute genau. Aus Istanbul sind wir aber wegen starker Flugbewegungen, erst eine halbe Stunde später gestartet. Dann hat der Pilot aber wohl kräftig Gas gegeben, weil wir zur festgelegten zeit in Deutschland angekommen sind. Vielleicht sollte sie Deutsche Bahn mal bei Turkish Airlines in die Lehre gehen. Am Zielflughafen dann noch etwas zum Schmunzeln. Wir haben die Maschine verlassen und wollten die Passkontrolle durchlaufen. Aber entweder hatte man uns vergessen oder es war noch kein Personal da. Die Türen zum Kontrollbereich wurden nicht geöffnet und wir standen eine geraume Zeit herum, bis sich jemand erbarmte und den Zugang zum Kontrollbereich freigab. Und jetzt noch ein Tipp. Stellt Euch in Schlangen nie hinter mich. Das garantiert langes Warten. Ich hatte mich an die kürzeste Schlange angestellt. Man ist ja smart. Und es kam, wie es kommen mußte. Die Abfertigung der Frau, die gerade kontrolliert wurde, ging und ging nicht voran. Ich sah noch, wie der Grenzschutzbeamte öfter den Kopf schüttelte und immer wieder auf den Computer schaute. Also noch mal smart sein und die Schlange wechseln. Die hatte sich bewegt. Dann ging es aber auch dort ziemlich ruhig vonstatten und ich sah, wie die anderen Leute, die vorher mit mir in der ersten Schlange abgefertigt wurden. das Problem war also gelöst. Und wieder smart. Noch einmal die Schlange gewechselt und damit war ich wieder dort, wo ich angefangen hatte. Und ich war dann auch so ziemlich der letzte, der kontrolliert wurde. Zumindest wünscht mir der Grenzschutzbeamte Frohe Ostern und das Ende meiner Reise war gekommen. Es war toll. Eine schöne Zeit und ich werde sicher wieder einmal dorthin reisen. Ist ja nur viereinhalb Flugstunden entfernt und ich habe gelesen, dass Sun Express demnächst Direktflüge von Deutschland nach Diyarbakir anbietet. Dann geht es wirklich schnell.

So, nun muß ich überlegen, worüber ich künftig schreibe. Wird sich schon was finden. Schau einfach wieder mal in meinen Blog. Ich fahre jetzt erst mal mit dem Rad und esse ein leckeres Bio-Eis. Dem Chronisten sei es gegönnt.

Bis dann

Euer omongkosong