Südostanatolien

Nemrut Dağı

Moin, moin,

mein vorletzter Reisebericht. Heute geht es zurück nach Antakya. Den ein oder anderen Ort in der Umgebung werde ich auf der Fahrt natürlich noch Besuchen. Nun aber erst einmal zu dem gestrigen Tag. Ich habe mich entschieden, faul zu sein und nicht Richtung Adana und Mersin zu fahren, sondern in der Umgebung von Malatya zu bleiben. Wie sich herausstellte, eine gute Entscheidung. Was habe ich also gemacht? Den Nemrut Dağı erkundet. Aber der Reihe nach. Den Morgen habe ich im Hotel mit einem gemütlichen Frühstück begonnen. Ein tolle Auswahl und ein guter Kaffee zubereitet mit einer Jura Maschine und der Kaffee von Meinl. Der wird aus Istanbul besorgt, wie mir eine sehr freundliche Mitarbeiterin erklärte, die mich auch ständig mit dem frischen Gebräu versorgte. Da freue ich mich jetzt schon drauf, aber zunächst gilt es ja der Chronistenpflicht zu genügen. Nach dem Frühstück ging es dann gegen Mittag los. Und sagte ich faul? Immerhin bin ich etwa drei Stunden gefahren, da mein Ziel auf der anderen Seite des Gebirges von Malatya aus liegt. Ich habe zwar die „Abkürzung „ direkt durch das Bergmassiv genommen. Es waren aber immer noch knapp zweihundert Kilometer zu fahren. Aber bei einer solchen Fahrt wird die Redewendung „ Der Weg ist das Ziel“ nachvollziehbar. Eine dramatisch schöne Landschaft mit ständig wechselnden Eindrücken. Und Glück hatte ich auch, da etwas Regen angesagt war, der glücklicherweise ausfiel. Nur bei der Auffahrt zum Nemrut gab es einige Tropfen und sonst nur strahlender Sonnenschein und dunkle Regenwolken, die mit großer Geschwindigkeit vorbeizogen. Und wie eigentlich immer in der Türkei, ein hervorragend ausgebautes Straßennetz, das die Fahrt angenehm macht. Und dieses führt auch tatsächlich bis knapp unterhalb des Berges. Laut Reiseführer ist der Berg erst ab Mitte April/Anfang Mai geöffnet. Im Hotel gab es keine Informationen und da ich auf der Fahrt nach Malatya nur noch auf sehr hohen Regen Schnee gesehen habe, bin ich das Risiko eingegangen. Wie sich herausstellte war das eine gute Entscheidung. Das Besucherzentrum ist bereits geöffnet und mir kamen bei der Auffahrt zum Berg auch zwei Fahrzeuge entgegen. Also den Eintritt bezahlt. Ganze fünf Türkische Lira, also etwa einen Euro und dann noch etwas weiter Richtung Gipfel gefahren. Da bislang nur ganz wenige Besucher sich dort hin verirren, muss man auch nicht den Shuttlebus nehmen, sondern kann mit dem eigenen Wagen fahren. Dann noch etwa Zehn Minuten den Berg hinauf geklettert und man hat es geschafft. Der erste Teil des Fußweges verläuft über Treppen, die restlichen hundertfünfzig Meter sind zwar auch durch Naturstein befestigt, aber auch mit Geröll durchzogen. Aber alles gut zu machen. Ich habe aber doch ganz gut gepumpt, da ich recht zügig gegangen bin und sich der Gipfel auf zweitausendzweihundett Meter befindet. Da wird die Luft schon dünner. Und ich kann mir vorstellen, wie es wäre im Kaçkar Gebirge zu wandern, das es auf Höhen von bis zu viertausend Metern bringt. Das wollen wir noch in Angriff nehmen. Und dann hat man es geschafft. Unbeschreiblich schön. Die Tempelanlage mit den berühmten Steinfiguren und ein traumhafter Blick in die umliegende Bergwelt und die Täler. In der Ferne sieht man den riesigen Atatürk Staudamm, der sich als blaues Band am Horizont zeigt. Das Spiel von Sonne und Wolken und der heftige Wind. Daseist schon etwas. Ich habe mich mit etwa fünfundvierzig Grad gegen den Wind gelehnt, ohne direkt in die Horizontale zu wechseln. Und kalt war es dort oben auch. Etwa sechs Grad. Aber ich hatte eine gute Jacke mitgenommen, die schon für die geplante Kaçkar Tour gekauft wurde. Sie hat den Test bestanden. Und im Überschwang der Gefühle, habe ich diese laut herausgeschrien. Man kennt das ja aus dem Fernsehen und ich war ja auf dem Gipfel des Berges allein mit den Göttern. Ich hatte den letzten Schrei noch nicht gemacht, als plötzlich neben mir kein Gott, aber ein Wächter des Heiligtums stand, der freundlich lachte und mich begrüßte. Ich dachte kurz darüber nach, ob er wohl meine Schreie gehört habe, sah dann aber sein Handy. Das Basislager hatte wohl Bescheid gesagt, dass jemand ein Rendezvous mit den Göttern haben wolle. Und da ist die mangelnde Kommunikationsmöglichkeit dann mal sehr hilfreich. Ich war zu dem Zeitpunkt auf der Ostterrasse, habe fotografiert und den Blick um den Berg herum gerichtet. Ich wollte natürlich noch die Westterrasse sehen, was aber an den noch übriggebliebenen Schneemassen hätte scheitern können. Und da sah ich meinen Begleiter auf einmal mit anderen Augen. Er war der Götterbote, der mir den Weg zur Westterrasse zeigte. Durch ein Schneefeld mit Bootsschuhen ist auch mal eine neue Erfahrung.</p> <p>Ich habe dann noch eine Weile die Eindrücke genossen und bin dann vom Gipfel zum Wagen zurück gegangen. Es war schon kurz vor vier Uhr und die Rückfahrt würde auch drei Stunden dauern. Da es gegen sieben Uhr dunkel wird und die Fahrt bei Dunkelheit doch noch andere Herausforderungen bringt, wollte ich durchstarten. Das wollte aber der freundliche Kollege des Götterboten nicht, der aus einem Wohnwagen gesprungen kam und mich fragte, ob ich Çay möge. Klar. Ein Çay geht immer und man soll die Gastfreundschaft ja auch nicht ausschlagen. Und schon war ich in die Touristenfalle getappt. Es stellte sich heraus, dass mein Gastgeber einige Brocken Deutsch sprach, da er auch in Deutschland gelebt habe, er mir einen guten Tee servierte und nebenbei auch noch ein großartiger Verkäufer ist. Er zeigte mir ein Zunächst unscheinbare Tasse, die, und wir waren ja in unmittelbarer Nähe zu den Göttern, über magische Kräfte verfügte. Er schenkte heisses Wasser ein und die Ganzes Kraft himmlischer Mächte eröffnete sich. Der Nemrut Dağı zeigte sich von seinen besten Seiten und dann ging es auch schon um mein Bestes, sprich mein Geld. Meine zaghafte Frage nach dem sicher göttlichen Preis wurde mit zwanzig Türkischen Lira beantwortet. Ich sah es in den Augen des Geschäftsmannes, dass er nicht sicher war, ob der Preis nicht auch für Touristen zu hoch sei. Das aber nur kurz. Und da der Wechselkurs mit mir ist, also der Kauf mit vier Euro zu Buche schlagen würde, der Tee gut und der Gastgeber nett war, habe ich die Transaktion zu Ende gebracht. Jetzt bin ich stolzer Besitzer einer magischen Nemrut Dağı Tasse und werde immer, wenn ich einen Tee trinke, an den tollen Tag bei den Göttern denken. Ach so. Ich habe noch gar nicht erwähnt, dass ich den Berg, dem Geografie- und Geschichtsunterricht sei Dank, seit meiner Kindheit sehen wollte. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen und bleibt ein eindrucksvolles Erlebnis. Ich habe dann noch das Angebot, einen kürzeren Weg durch die Berge mit seiner Hilfe zu nehmen, ausgeschlagen und mich auf den Weg nach Malatya gemacht. Dort gegen sieben angekommen erhielt ich eine Nachricht von meinem türkischen Autovermieter. Was er genau will, habe ich nicht verstanden. Er schrieb von Problemen, die er im Zusammenhang mit der Vermietung habe und das er mir oder ich ihm helfen solle. Auf meine Frage, was zu tun sei,?erhielt ich bislang keine Auskunft. Ich bin auf Sonntag Morgen gespannt. Mal sehen, ob die Fahrzeugrückgabe reibungslos klappt. Mir schwant etwas. Und sonst. Klar. Ich bin noch etwas essen gegangen. Da ich schon nicht nach Adana gefahren bin, habe ich mich mit einem Kebap selbigen Namens getröstet. Und das war sicher genau so gut. Und ihr werdet es als treue Leser sicher erraten was jetzt kommt. Richtig. Ich werde jetzt frühstücken und dann meine Reise fortsetzen.

Bis bald

Euer omongkosong