Südostanatolien

Çirişli Geçidi

Moin, moin,

da bin ich wieder. Und wie ihr an dem Titel seht, wieder im südlichen Anatolien. Der Start- und Abreiseort. Aber der Reihe nach. Gestartet bin ich gestern morgen im nördlichen Anatolien, in Erzurum. Bei Temperaturen am Morgen von 7 Grad und einem bewölkten Himmel. Da ich Erzurum ja bereits kenne, habe ich mich direkt auf den Weg in den Süden gemacht, genauer gesagt nach Malatya. Die Aprikosenhauptstadt der Türkei. Viele der getrockneten Früchte in Deutschland kommen hier her. Zunächst also raus aus Erzurum. Ich dachte ganz einfach. Weit gefehlt. Das Navi gab merkwürdige Routen vor - bei den Navis hier keine Seltenheit - und ich habe dann irgendwann auf Autopilot umgestellt. Und die Stadt noch einmal in Gänze gesehen, bis ich irgendwann doch einen Schnellstrassenanschluss gefunden habe. Natürlich in die falsche Richtung nach Ağrı. Da war ich ja nun gerade und mich sollte der Weg nach Süden führen. Eigentlich kein Problem, da die Straßen ständig Wendemöglichkeiten haben. Etwas abenteuerliche, da es sich um vierspurige, wie Autobahnen ausgebaute Straßen handelt und der Verkehr mit hoher Geschwindigkeit läuft. Aber die Leute wollen nicht kilometerweit fahren, um zu wenden und bevor es halsbrecherische Manöver gibt, ist das eine gute Lösung. Meistens werden die Wendepunkte auch als Buchten gebaut, sodass die Fahrzeuge nicht mehr im fließenden Verehr stehen, wenn Sie abbiegen. Meistens. Aber wir sind ja in der Türkei und da ist man so etwas eben gewohnt. Ich hatte eben gesagt, die Straßen haben eigentlich immer Wendemöglichkeiten. Das Wort eigentlich ist hier entscheidend. Diesmal kam sie nicht. Und jetzt kommt der Beweis, das der Mensch lernfähig ist. Was ich in Deutschland nicht machen würde, ist hier normal. Bei dem nächsten Teil der Straße, der einen Übergang auf die Gegenfahrbahn zuließ eine Vollbremsung, zurückgesetzt, da ich etwas zu weit war und rüber. Und dann lief es. Das regt hier auch niemanden auf. Es kommen einem auf solchen Straßen auch gerne auf den Standstreifen Fahrzeuge entgegen, etwa Traktoren oder von Leuten, die keine Lust haben zum nächsten Wendepunkt zu fahren. Wie gesagt, es lief. Ich bin dann an Erzurum vorbei durch Panalöken, einem Wintersportgebiete in die Berge gefahren. Und dort ging es richtig zu regnen an. Egal. Ich war ja unterwegs und es hatte den Vorteil, dass die Scheibe von den Fliegen befreit wurde und auch die Front des Fahrzeugs wieder etwas ansehnlicher würde. Das Spritzwasser in der Waschanlage war natürlich auch irgendwann leer. Da hat wohl jemand beim Nachfüllen gespart. Aber der Regen war da auch nahezu vorbei. Eine lange Fahrt durch schneebedeckte Berglandschaften bis auf eine Höhe von 2390 Meter. Und ständig wechselnde Landschaften. Auf der Südseite des Gebirgszuges wurden die Berzüge dann grün und es wurde wärmer. Und dann kam auch schon meine erste nette Begegnung mit den türkischen Landsleuten und es sollten noch mehr werden   Kurz vor Bingöl stand ein Wagen an Straßenrand und einer der Männer machte mir ein Zeichen zu halten. Ich hatte schon das Gefühl, dass die beiden eine Panne hatten, was sich als richtig herausstellte. Der ältere der beiden fragte, ob ich nach Bingöl wolle. Als ich bejahte, zeigte er auf den jüngeren Mann und es war klar, dass er mitfahren wolle . Da ich derartige Mitnahmegelegenheiten bereits aus Yüsüfeli kannte, kein Problem . Aber bevor der junge Mann Zustieg, würde ich noch gefragt, ob ich Russe sei . Der Gesichtsausdruck wurde etwas dunkler. Als ich antwortete, ich sei Deutscher, strahlte der ältere Mann und los ging es. In Bingöl stieg mein Mitfahrer aus und ich setzte die Fahrt fort. Da ich diesmal recht früh dran war und etwas im Reiseführer geblättert hatte, entschied ich mich für einen Abstecher nach Harput. Eine Stadt mit langer Geschichte, was allerdings nicht schwer ist, da hier alles alte Geschichte hat. Das kleine Örtchen über der Stadt Elaziğ ist wirklich nett gestaltet. Alles liebevoll hergerichtet und, das sind die Vorzüge des Reisens außerhalb der Saison, auch nur wenige Menschen. Und hier gab es dann die nächsten schonen Begegnungen mit den Menschen hier. Ich wollte mir die Ulu Camii, also eine Moschee, anschauen und orientierte mich gerade. Da kam ein alter Mann in traditioneller Kleidung auf mich zu und fragte, natürlich auf Türkisch, wohin ich wolle. Ich habe dann den Namen der Moschee auf Türkisch geradebrecht, was er wohl verstanden hat. Und ich bin in der Türkei. Da ist es dann einfach so, dass man den Weg nicht nur zeigt, Sonden mitgeht. Es war ein sehr einseitiges Gespräch, da mein Begleiter natürlich nur Türkisch und das rasend schnell sprach. Die Namen könnten wir austauschen und ich habe noch die Frage nach dem Namen meines Vaters verstanden. Baba. Und dann kam noch die obligatorische Frage nach meiner Nationalität. Als ich antwortete Deutsch, strahlte der Mann und dann kam eine Verabschiedung, die ich so auch noch nicht erlebt hatte. Er sagte Salem Aleikum, schaute mich an, sagte es noch mal und antwortete für mich dann Aleikum Salam, lachte und zog mich zur beidseitigen Wangenberührung heran. Ich glaubte es nicht. Dann noch freundlich gewunken und weg war er. Nach dieser schönen Begegnung war ich dann kurz vor der Moschee, fotografierte ins Tal und es kam, wie es kommen musste, ich wurde wieder angesprochen. Ob ich aus Deutschland komme. Er, Aydin, habe dort in Buxtehude bei der Apfelernte geholfen, sei aber wegen der Krankheit seines Sohnes in die Türkei zurückgekehrt. Sein Bruder lebe aber immer noch dort, auch wegen der Liebe. Er habe eine Frau aus Köln, ausgerechnet von dort, kennengelernt und wolle heiraten. Er sei hier bei der Gemeinde angestellt und Pflege die Parkanlage. Und jetzt zeige er mir erst einmal die Moschee. Und das alles in Deutsch. Die Einladung zum Kebap habe ich dann ausgeschlagen und bin weiter nach Malatya gefahren. Ich bin im DoubleTree by Hilton abgestiegen. Tolles Hotel mit einer sehr netten Begrüßung . Das Zimmer ist großzügig und daher habe ich mich entschieden hier eine weitere Nacht zu verbringen. Zunächst wollte ich noch Adana wegen des Kebaps und Mersin wegen des Tantuni ansteuern. Aber die Reiseführer haben keine guten Worte für die Städte. Und da ich bereits fast 2000 km hinter mir habe, mache ich jetzt den Faulen. Nicht ganz. Ich würde mal sehen, ob ich den Nemrut Dağı besuchen kann. In den Reiseführern steht zwar, das sei wegen des Schnees erst ab Mitte April möglich, aber Schnee sehe ich auf den Bergen nicht mehr. Und da man am besten von der anderen Seite heran fährt, gibt es noch etwas zu fahren. Und morgen fahre ich dann nach Antakya zurück. Vielleicht noch einmal über Gaziantep, da ich die Stadt nur kurz gesehen habe. Das Hotel in Antakya ist bereits gebucht. Also keine Eile. Und sonst noch? Sechs Strassenkontrollen gab es gestern. Aber die habe ich im wörtlichen Sinne durchfahren, da ich immer im Fahren durchgewunken wurde. Und dann erhielt ich noch einen Anruf von einem zerknirschten Autovermieter wegen des Navis. Das wäre nicht akzeptabel und man wolle schauen, was man für mich tun könne. Ich habe gesagt, ich sei entspannt und habe mir selbst geholfen. Ich bin ja in der Türkei. Ach so. Warm ist es auch wieder. 23 Grad werden es. Hoffentlich bald auch in Deutschland. Jetzt wird gefrühstückt und dann die Türkei weiter erkundet.

Bis bald.

Euer omongkosong